AMISTAD – Ein Film, den man 2025 anders sieht als 1997.
Mein Tipp des Tages – und eine unbequeme Frage: Wer gilt als Mensch?
Es gibt Filme, die man einmal sieht – und dann irgendwo zwischen Popcorn und Zeitgeist vergisst.
Und es gibt Filme, die man nie wieder loswird, weil sie sich wie ein Brennglas ins Gedächtnis brennen.
„Amistad“ gehört zu den Letzteren.
Ich habe ihn damals im Kino gesehen. Jung, offen. Und erschrocken, wie nahe Schmerz, Würde und Macht beieinander liegen können. Heute, 2025, wirkt dieser Film noch lauter.
Bevor man tiefer eintaucht, ein Satz zum Film selbst:
Steven Spielberg erzählt die wahre Geschichte eines Sklavenschiffs, dessen Verschleppte sich gegen ihre Peiniger erheben – ein Gerichtsdrama, getragen von Morgan Freeman, Anthony Hopkins und Djimon Hounsou, der nicht spielt, sondern brennt.
Der Film ist kein Actiondrama.
Er ist ein Moraldrama, das eine einzige, alte Frage neu entzündet:
Wer gilt als Mensch?
Was der Film im Kern zeigt
Steven Spielberg erzählt die Geschichte eines Sklavenschiffs nicht als Historienkulisse, sondern als Frage an die Gegenwart:
Wer gilt als Mensch – und wer darf das entscheiden?
Die Verschleppten kämpfen nicht nur um Freiheit.
Sie kämpfen darum, dass ein Staat sie überhaupt als Menschen anerkennt.
„Amistad“ zeigt:
Menschlichkeit ist kein ornamentales Beiwerk, sondern der Nullpunkt des Rechts.
Das Rechtssystem als moralischer Kampfplatz
Gerichte erscheinen in Abhandlungen oft steril.
In diesem Film sind sie das Gegenteil: ein Schlachtfeld.
Nicht der Kampf zwischen Anwälten steht im Vordergrund,
sondern der Kampf zwischen Weltsichten:
– Menschenrecht vs. Eigentumsrecht
– Würde vs. wirtschaftliches Kalkül
– Menschsein vs. Deutungshoheit
Es ist beklemmend zu sehen, wie politische Interessen versuchen, die Wahrheit zu erobern – und wie fragil ein Rechtssystem wird, wenn Macht über Moral gestellt wird.
Die historische Parabel – und warum sie heute so klar wirkt
„Amistad“ ist kein Kommentar über Sklaverei.
Er ist ein Kommentar über jede Form von systemischer Entmenschlichung.
Die Parallele zu 2025 entsteht nicht künstlich.
Sie ergibt sich logisch.
Wenn ein Land heute
– Migrant*innen in Arbeitslager ähnliche Zustände drängt,
– Menschen „säubert“, „zusammentreibt“ und deportiert,
– ICE-Razzien durch Straßenzüge schickt wie Rattenfänger der Bürokratie,
– jene Menschen kriminalisiert, die oft jahrzehntelang die niedrigsten Jobs erledigten, die Wirtschaft stützten, Familien versorgten –
dann ist das nicht die Sklaverei des 19. Jahrhunderts.
Aber es ist eine moderne Form ökonomischer Abhängigkeit,
eine politisch verwaltete Menschenverwertungsmaschine,
in der Menschlichkeit wieder zur Verhandlungsmasse wird.
Früher wurden Menschen verschleppt.
Heute werden Menschen hinausgeschoben.
In beiden Fällen gilt:
Die Würde wird nicht gefragt.
Diese Umkehr – von der Import-Sklaverei zur Export-Vertreibung – ist keine Gleichsetzung.
Aber es ist eine Warnung, wie Staaten mit den am wenigsten geschützten Menschen umgehen, wenn Macht wieder über Moral gestellt wird.
Was der Film heute von uns will
„Amistad“ gibt keine einfachen Antworten.
Er stellt eine einfache, brutale Frage:
Wie viel ist uns der Mensch wert, wenn er uns politisch nichts nützt?
Der Film zwingt uns, hinzusehen.
Nicht auf die Vergangenheit –
sondern auf eine Gegenwart,
in der Menschen wieder zu Kategorien, Fällen, Aktennummern und „Sicherheitsrisiken“ reduziert werden.
Er erinnert uns daran, dass Rechtsstaatlichkeit nur dann lebt, wenn sie Menschen schützt – nicht Systeme.
Und dass jede Demokratie daran gemessen wird, wie sie mit den Wehrlosesten umgeht, nicht mit den Lautesten.
Amistad 2025 – der Spiegel unserer Zeit
Vielleicht wirkt „Amistad“ heute deshalb so brandaktuell, weil wir wieder erleben, wie Geschichte nicht verschwindet – aber wie manche verzweifelt versuchen, sie auszuradieren.
Der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten lässt Lehrpläne umschreiben, Museen säubern, Schaukästen und Schautafeln zu Sklaverei, Rassismus und systemischen Menschenrechtsverletzungen entfernen.
„Zu politisch“, heißt es dann. „Zu spaltend.“
Als wäre die Wahrheit ein Fleck im eigenen Lebenslauf.
So beginnt Geschichtsvergessenheit – und so endet sie immer:
in der Entmenschlichung der Gegenwart.
Und auch diesseits des Atlantiks träumen manche von Säuberung.
Remigration.
„Reiner Kultur.“
Die alten Worte sind neu etikettiert, aber die Logik ist dieselbe:
Menschen werden sortiert, gewogen, ausgesiebt –
nach Herkunft, Nutzen, Loyalität.
Nach Kategorien, die mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun haben.
„Amistad“ warnt uns:
Entmenschlichung ist die einzige Ideologie, die immer funktioniert –
and immer zerstört.
Die Vergangenheit lässt sich nicht ausradieren,
ob Trump es will oder nicht,
ob Europas Rechte es sich wünschen oder nicht.
Aber die Zukunft lässt sich verhindern,
wenn wir verstehen, was auf dem Spiel steht:
Menschlichkeit, Rechtsstaat, Würde.
Daher, Filmtipp für heute Abend
Wer heute sehen will, was Kino leisten kann – moralisch, politisch, menschlich:
„Amistad“ – gerade auf YouTube „frei“ verfügbar.
Ein Film, der bleibt.
Für alle, die „Amistad“ ansehen möchten: Hier der Link zu jenem Upload, der mir heute angezeigt wurde.
(Ich kann nicht garantieren, ob Moviedome eine Lizenz hält – daher: bitte selbst prüfen. Offiziell gibt es den Film auf Netflix, Prime & Apple TV.)
👉🏻 https://youtu.be/WKp6W4fgOeg?si=htiSEfnp62dRHjHC
Hinweis:
Mir wurde der Film heute auf YouTube angezeigt. Ich kann jedoch nicht garantieren, dass der Upload von „Amistad“ durch Moviedome auf YouTube rechtskonform lizensiert ist.
Die Empfehlung bezieht sich auf den Film selbst, nicht auf die Rechtssituation des Uploads.
Wer den Film rechtlich abgesichert sehen möchte, findet ihn auf offiziellen Plattformen wie
Netflix, Amazon Prime Video, Apple TV oder anderen autorisierten Diensten – als Kauf- oder Mietversion.
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©️ Text: Franz Grolig – Waldfranz
Bild - KI-generiert

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